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Wenn Cyberangriffe selbst lernen, muss auch unsere Abwehr lernen.

3. Februar 2026 durch
Wenn Cyberangriffe selbst lernen, muss auch unsere Abwehr lernen.
Nelpx GmbH

KI‑gestützte Angriffe auf kritische Infrastrukturen markieren einen Wendepunkt: Sie verwandeln gezielte Hacks in skalierbare, adaptive Kampagnen, die klassische OT‑Security an ihre Grenzen bringen. Dieser Beitrag beleuchtet, wie sich das industrielle Bedrohungsbild verändert – und welche Rolle digital souveräne, KI‑basierte Abwehrlösungen wie bei Nelpx spielen.

Vom manuellen Angriff zum agentischen Cyberwerkzeug

KI‑gestützte Angreifer automatisieren heute weite Teile der Cyber‑Kill‑Chain – von der Aufklärung bis zur lateralen Bewegung. Agentische KI‑Werkzeuge kartieren Netzwerke, identifizieren versteckte Pfade in OT‑Segmenten und passen ihre Taktiken kontinuierlich an.

In OT‑Umgebungen verschiebt sich der Fokus weg von spektakulären „On/Off“-Angriffen hin zu subtiler Prozessmanipulation. Angreifer nutzen Modelle, um Telemetriedaten zu analysieren und genau die Stellgrößen zu finden, bei denen minimale Abweichungen maximalen wirtschaftlichen Schaden bei minimalem Alarmrisiko erzeugen.

Beispiele dafür sind:

  • leicht veränderte Lastflüsse in Stromnetzen, die Verschleiß beschleunigen, ohne sofortige Ausfälle zu verursachen

  • graduelle Anpassungen von Temperatur‑ oder Mischungsverhältnissen in Chemie‑ oder Lebensmittelproduktion, die Qualitätsmargen ausreizen

  • fein dosierte Verschiebungen von Spannungs‑ und Frequenzreglern, die Schutzmechanismen an ihre Toleranzgrenzen schieben

Warum klassische OT‑Security hier versagt

Viele etablierte OT‑Security‑Kontrollen sind signaturbasiert und erkennen vorrangig bekannte Muster. KI‑assistierte Angriffe hingegen sind polymorph: Sie variieren Payloads, Taktiken und Sequenzen, um statistisch wie normale Prozesskommunikation zu wirken.​

Hinzu kommt der „Context Gap“ zwischen IT‑ und OT‑Teams. Security‑Analysten sehen Anomalien in Paketen, können sie aber nicht in den physikalischen Kontext von Lastabwurf, Grid‑Stabilität oder Prozesssicherheit einordnen. Umgekehrt interpretieren Anlagenfahrer Prozessschwankungen als technische Alterung, nicht als potenziell koordinierte Manipulation.

Das Weltwirtschaftsforum beschreibt KI‑bezogene Schwachstellen als am schnellsten wachsende Quelle für Cyberrisiken; 87 % der Befragten sehen KI‑Vulnerabilities als zentralen Treiber. Gleichzeitig setzen bereits rund drei Viertel der Organisationen AI für Security ein – primär für Phishing‑Erkennung, Anomalie‑Detektion und User‑Verhaltensanalytik.

KI als „Force Multiplier“, nicht als autonomer Angreifer

In OT‑Umgebungen agiert KI derzeit weniger als völlig autonomer Angreifer, sondern als massiver Verstärker menschlicher Fähigkeiten. Sie beschleunigt Reconnaissance, generiert hochgradig zielgerichtetes Spear‑Phishing im Fachjargon von Schichtleitern und hilft, aus OT‑Daten die „wertvollsten“ Angriffspunkte herauszufiltern.

Experten betonen, dass dadurch vor allem die Eintrittshürden sinken: Fähigkeiten, die früher Blue‑Team‑ und Red‑Team‑Eliten vorbehalten waren, werden über Open‑Source‑Toolkits und Cloud‑Ressourcen breiteren Angreifergruppen zugänglich. Agentische Toolchains übernehmen das mühsame Durchsuchen von Konfigurationen, Eventlogs und Netzwerkpfaden, während der menschliche Operator nur noch Ziele und Randbedingungen definiert.

Gleichzeitig nutzen Verteidiger KI, um Detection, Triage und Reaktion zu beschleunigen. Das Spannungsfeld verschiebt sich zu einem Geschwindigkeits‑ und Lernwettlauf, in dem sowohl Angreifer als auch Verteidiger Modelle trainieren, um sich gegenseitig zu übertreffen.

Architekturprinzipien für eine KI‑fähige OT‑Verteidigung

Eine resiliente Abwehr in diesem Umfeld erfordert kombinierte technische und organisatorische Maßnahmen. Zentrale Bausteine sind:

  • Kontextsensitives Monitoring

    OT‑fähige Anomalie‑Detektion muss Prozessphysik verstehen: Grenzwerte, Rampen, typische Lastgänge und saisonale Muster in Energie‑, Produktions‑ oder Verkehrsnetzen. KI‑Modelle lernen Normalverhalten nicht nur aus Paketen, sondern aus physikalischen Reaktionsketten und Betriebsregeln.

  • Zero‑Trust‑Prinzipien im OT‑Kontext

    Mikrosegmentierung, starke Identitäten und Least‑Privilege‑Zugriffe begrenzen die laterale Bewegung – auch wenn Angreifer legitime Credentials kompromittieren. Gleichzeitig müssen Zero‑Trust‑Modelle die Verfügbarkeits‑ und Safety‑Anforderungen von OT berücksichtigen, etwa durch fail‑safe Policies und definierte Ausnahmen für Echtzeitpfade.

  • Supply‑Chain‑ und Remote‑Access‑Härtung

    Viele Industrieunternehmen verlassen sich auf externe Anbieter für Wartung, Monitoring und Updates, oft über Remote‑Zugänge. KI‑gestützte Angriffe auf Service‑Provider oder deren Tooling können so direkt in kritische Infrastrukturen durchschlagen. Strikte Onboarding‑Prozesse, JIT‑Access und Telemetrie‑Pflicht für Dritte werden zur Pflicht.

  • KI‑Governance und Modell‑Sicherheit

    Das WEF sieht einen klaren Trend: Immer mehr Organisationen prüfen systematisch die Security ihrer KI‑Tools, bevor sie diese produktiv einsetzen. Dazu gehören Modell‑Härtung gegen Prompt‑Injection, Zugriffskontrollen auf Trainingsdaten und Monitoring auf missbräuchliche Modellnutzung.

Digitale Souveränität als strategische Antwort

Digitale Souveränität bedeutet im Kontext von KI‑Security: Kontrolle über Daten, Modelle, Entscheidungslogik und Betriebsumgebung zu behalten. Gerade in kritischen Infrastrukturen ist es riskant, Sicherheitsentscheidungen vollständig an proprietäre Black‑Box‑Plattformen auszulagern, deren Trainingsdaten, Update‑Zyklen und Governance außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.

Ein souveräner Ansatz umfasst:

  • lokal oder in klar regulierten Regionen betriebene Modelle mit nachvollziehbarer Datenherkunft

  • Transparenz darüber, welche Features in Anomalieentscheide einfließen und wie Modelle an neue Bedrohungsmuster angepasst werden

  • organisatorische Verankerung von KI‑Risiko‑Assessments in CISO‑ und OT‑Governance‑Strukturen

Gerade in Europa spielt zudem regulatorischer Druck eine Rolle: Anforderungen aus KI‑Regulierung, NIS2 und sektorspezifischen Normen fordern erklärbare, auditierbare Sicherheitsentscheidungen – auch wenn KI im Spiel ist.

Wie Nelpx KI‑Security und digitale Souveränität verbindet

Vor diesem Hintergrund positioniert sich Nelpx explizit an der Schnittstelle von KI‑gestützter Verteidigung und digitaler Souveränität. Ziel ist es, OT‑Betreibern Lösungen bereitzustellen, die sowohl technisch als auch regulatorisch belastbar sind – und dabei speziell die Anforderungen kritischer Infrastrukturen adressieren.​

Kernprinzipien des Ansatzes bei Nelpx sind:

  • Kontextbewusste KI‑Analytics für OT

    Die eingesetzten Modelle werden auf industrielle Telemetrie, Protokolle und Prozessdaten ausgerichtet, um zwischen „Rauschen“, normaler Alterung und tatsächlich manipulativen Mustern zu unterscheiden. Damit lassen sich die permanenten „Low‑and‑Slow“-Manipulationen erkennen, die klassische Signatur‑Engines überfordern.

  • Erklärbare Entscheidungswege statt Black‑Box‑Alarme

    Statt reiner Score‑Outputs wird nachvollziehbar gemacht, auf welchen Abweichungen, Korrelationen und Prozesskontexten eine Einstufung als Angriff beruht. Das adressiert den Context Gap zwischen IT‑Security und OT‑Engineering und erleichtert gemeinsame Entscheidungen im Leitstand.

  • Schnelle Anpassung an neue Angriffsvektoren durch Partner‑Ökosystem

    Dank sorgfältig ausgewählter Technologiepartner ist Nelpx in der Lage, neue Angriffsmuster rasch in die Detection‑Pipelines zu integrieren und Verteidigungsmechanismen flexibel zu aktualisieren. Kunden profitieren davon unmittelbar durch kürzere „Window of Exposure“ und eine Verteidigung, die sich mit dem Angreifer mitentwickelt.​

  • Integration in bestehende OT‑Landschaften

    Die Lösungen werden so konzipiert, dass sie mit vorhandenen SCADA‑Systemen, Historian‑Datenbanken und OT‑Netzwerkzonen zusammenarbeiten, statt komplette Neuarchitekturen zu erzwingen. Das reduziert Implementierungsrisiken und erhöht die Akzeptanz bei OT‑Teams, die zu Recht Sicherheit nicht zulasten von Verfügbarkeit und Safety sehen wollen.

  • Strategische Beratung zu Governance und digitaler Souveränität

    Neben Technik unterstützt Nelpx Kunden dabei, KI‑Security‑Governance aufzubauen – von der Klassifikation kritischer Modelle über Prozessrichtlinien bis zur Vorbereitung auf Audits.

Von „Angriff verhindern“ zu „Resilienz gestalten“

Experten fordern inzwischen, Kompromittierung als Normalfall einzuplanen und Resilienz systematisch zu designen. Dazu gehören vorautorisierte Reaktionspfade, klar definierte Entscheidungsrechte und eine enge Verzahnung zwischen Cyber‑, Safety‑ und Operations‑Teams.

In einer Welt, in der KI Angriffe beschleunigt, geht es nicht mehr nur um schnelle Signatur‑Updates, sondern um lernfähige Verteidigungssysteme, die sich im gleichen Takt weiterentwickeln wie die Angreifer. Digitale Souveränität, erklärbare KI‑Security und ein starkes Partnerökosystem werden dabei zu entscheidenden Hebeln – genau hier setzt Nelpx mit seinen Lösungen und Partnern an.